Donnerstag, 2. September 2010

Toast mit Käse und Optimismus

Heute Mittag gab es zu dem Rest meiner Kürbissuppe von gestern ein Brot mit Tomatenmark, Tomaten und veganem Cheddar überbacken.
Sicherlich nicht gesund, aber ein essen was bei mir fiese Kindheits-flashbacks hervorruft, und sowas muss eben manchmal sein, oder? :-)
Diese veganen Käsescheibchen mag ich überbacken übrigens am liebsten, sie zerlaufen fast wie echter Käse und auch geschmacklich ist es super. So kalt auf Brot ist es im Sandwich ganz nett, muss aber nicht sein, und pur schmeckt es mir doch etwas fade.


Ich möchte übrigens mal ein optimistisches Statement abgeben: Ich weiß nicht, ob es nur mir so geht, aber ich habe das Gefühl, es werden immer mehr Leute Veganer oder Vegetarier oder beschäftigen sich mit ihrem Fleischkonsum und schränken ihn merklich ein.
Liegt das jetzt alles an dem Hype um das Buch von dem Foer? (Das mein omni-Mann übrigens grade liest :-) ) oder hat es etwas mit dem erwachendem ökologischen Gewissen zu tun? Ich weiß es nicht, aber es ist doch deutlich.

Als ich es vor ca. 7 Jahren schonmal mit dem Veganismus probiert habe, habe ich mich noch als extremen Exoten wahrgenommen, vegane Produkte gab es nur in Bioläden, von denen es auch viel weniger gab, und bei den wenigen Vegan-Versänden. Heute gibt es selbst beim Aldi Soja-Schnitzel und Sojamilch in verschiedenen Geschmacksrichtungen.
Manchmal werde ich trotzdem noch deprimiert und es geht mir auf den Keks mich so oft erklären zu müssen, so rüber zu kommen als wollte ich mit meiner Lebensweise auffallen, immer die zu sein, die eine "Extrawurst" im Restaurant, beim gemeinsamen Kochen, auf Partys, etc. braucht. Und ich denke, das vegane Leben wäre noch so viel einfacher wenn es alle machen würden, wenn alle Leckereien beim Bäcker vegan wären (was ja GEHT!) und alle Gerichte in Restaurants und Imbissbuden (was ebenfalls GEHT!), wenn man selbstverständlich vegan begelgte Brote am Flughafen kaufen könnte (was auch GEHT!) und Eis nur mit Soja und Früchten hergestellt würde (wie gesagt, es GEHT!). Aber nein, man muss mühsam suchen, umbestellen, eigenes Essen mitbringen oder verzichten.
Neulich war ich mal wieder so richtig frustriert und da sagte mein Mann zu mir: "Du musst das so sehen, Du gehörst zu den Vorreitern dieser Bewegung, zu einer art Avantgarde, so wie früher mal die ersten Vegetarier. Und du hast entweder die Möglichkeit das jetzt durchzustehen und weiter zu machen, oder du gibst auf und wartest bis es sich gesellschaftlich durchgesetzt hat und steigst dann wieder ein."
Zu den Vorreitern würde ich mich nun nicht wirklich zählen, zum einen, da es Leute giebt die sich seit Jahren und Jahrzehnten vegan ernähren und zum anderen weil ich das mit dem veganen Leben sehr so für mich mache und, mit Ausnahme dieses Blogs, nicht in der öffentlichkeit groß darstehe und meine Ansichten herausposaune und Leute bekehre, das ist einfach nicht meine Art.
Aber der Blickwinkel: "Wir sind erst am Anfang, in Zukunft werden immer mehr Menschen Vegetarier und auch Veganer" ist doch ein sehr schöner, oder? Und ich freue mich grade sehr sehr, dass ich den Weg jetzt schon gefunden habe.
Und Aufgeben kommt natürlich gar nicht in Frage!

Kommentare:

Küchenfee hat gesagt…

Hey, tolles Buch, dass Du da liest. Eines meiner Lieblingsbücher. Ich wünsche viel Spaß :-)

Blumenmond hat gesagt…

Ich glaube schon, dass sich immer mehr Leute Gedanken machen. Mir war - warum auch immer - bis vor ca. 2 Jahren nicht wirklich bewusst, wie sehr der Fleischkonsum Klima belastet und Menschen hungern lässt. Nur unterschwellig hatte ich ein Ahnung von der Quälerei der Tiere und hatte u.a. deswegen aus rein egoistischen Gründen auf Bio-Fleisch umgestellt. Ich bin unsicher aber ich glaube, dass seit geraumer Zeit das Thema Ernährung in dem Medien in Verbindung mit Fleischkonsum mehr wird. Das Medium Internet sorgt für weitere Verbreitung. Ohne das wäre ich wohl heute noch nicht Fast-Veganerin.

Hase hat gesagt…

Ja, es ist manchmal mühsam, das ist keine Frage. Aber ich nehme das gerne in Kauf. Denn ich bin einfach SO GERNE Veganerin, und so dermassen überzeugt davon, dass das Wort "aufgeben" in diesem Zusammenhang für mich gar nicht existiert =)

Küchenfee hat gesagt…

Tut mir Leid,ich hatte ich mich nicht eindeutig ausgedrückt. Ich meinte "Der Schatten des Windes".

Aber mit dem Klima hast Du natürlich vollkommen recht.
Als ich meine Ernährung umgestellt habe und mich intensiv mit der Massentierhaltung und dem Umweltschutz auseinander gesetzt habe, ging es mir ein paar Monate richtig schlecht. Man sieht überall nur noch Leid, was der Mensch alles falsch macht und all seine grausamen Taten.
Jeder sollte tun was er/sie kann. Nur leider ist Ignoranz als Selbstschutz die meist verbreitetste Einstellung.
Wollen wir hoffen, dass künftig viele weitere Menschen die vegane Lebensform für sich entdecken.

Birdie hat gesagt…

@Küchenfee: Hab das Buch inzwischen durch und lese schon das nächste von Zafón, echt super!
Ignoranz als Selbstschutz beschreibt es echt treffend und das ist genau das, was mich auch traurig und manchmal wütend macht. Ich glaube wenn sich mehr Menschen wirklich mal damit auseinandersetzen würden was sie eigentlich essen und wo das Steak auf dem Teller herkommt und wie bestialisch die Tiere sterben und leiden, dann würden doch viele drauf verzichten.

Nina hat gesagt…

Gehen tut vieles. Als Atheist würde ich mir auch wünschen, dass jegliche Religion aus der Öffentlichkeit verschwindet. Wieviel weniger Menschenleid würde es nur ohne Religion geben?
Als Anti-Extremist würde ich mir auch die Linken und Rechten von der Straße wünschen. Wie viel weniger Leid und Trubel gäbe es ohne Punks und Nazis?
Etc., etc....

Das traurige an vielen Veganern ist, dass sie missionarisch daherkommen und vorwurfsvoll. Neben den christlichen Missionarssprüchen "Jesus rettet euch", "Sünder fahrt zur Hölle" steht in der Uni-Parkgarage "werdet vegan" und "nicht-veganer = tiermörder". Um in den Himmel zu kommen, muss man wohl auf weniger verzichten.

Allerdings finde ich es auch schade, dass unser alltägliches Essen so wenig transparent ist. Fast überall ist Soja drin, Haselnussmasse, Eipulver, Milchpulver, etc., wo man sich teilweise fragt, was das in diesem und jenem Produkt verloren hat.
Andererseits sind viele Menschen nicht dazu bereit, mehr Geld für mehr Qualität beim schnellen (Fast-Food-)Einkauf auszugeben. Dank Geschmacksverstärkern und Aromaten schmeckt doch eh alles mehr oder weniger "lecker"... Und mal eben kriegt man eh nicht die Zutatenliste zu sehen.

Ich bevorzuge letztlich in der Regel die vegetarische/vegane Küche, da man dort schneller den "Pfusch am Essen" (insb. Verdorbenes) herausschmeckt.

Birdie hat gesagt…

Vielen dank für deinen langen und sehr gedankenvollen Beitrag Nina!
Du hast recht, missionarische Veganer kann ich auch nicht leiden. Wenn man nicht-veganern so vorwurfsvoll begegnet erzeugt man doch am ehesten Gegenreaktion und das ist ja nun grade nicht das was man will!
Ich merke aber, dass man, wenn man nicht missionarisch ist, leicht in die totale Defensive verfällt. Das passiert mir ständig. Irgendwie ertappe ich mich oft dabei, wie ich mich für meinen veganen Lebensstil und die Umstände die ich dadurch Gastgebern etc. bereite entschuldige und ärgere mich jedemal selbst darüber.
Aber andererseits fordernd aufzutreten und zu erwarten, dass jeder selbstverständlich auf meine in dieser Gesellschaft leider noch ungewöhnlichen Ess- und Lebensgewohnheiten rücksicht nimmt finde ich eben auch nicht gut. Also wie sollte man sich verhalten? Den Mittelweg habe ich da leider noch nicht gefunden.

Aber es wird einfacher, je mehr Menschen in meinem Umfeld bescheid wissen, da ich eben nicht mit meinem Veganismus haustieren gehe, dauert das etwas länger. Aber ich merke, dass die Leute das akzeptieren wenn ich es einmal erklärt habe und sie ihre üblichen Fragen stellen konnten. Ab dann wird es einfacher.

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