Samstag, 19. Februar 2011

vegane Fleisch- und Wurstimitate

Vor ein paar Tagen fragte mich ein Kollege, warum es soviele Fleischersatzprodukte aus Tofu gäbe und warum wir Veganer und Vegetarier unser Tofu nicht in einer anderen Form essen würden, warum die Nachmache?
Gute Frage fand ich. Zwei liebe Kolleginnen (beide Omnis) sprangen sogleich für mich in die Bresche und sagten, dass es eben für beispielsweise Wurst schon diese Maschinen zu kaufen gäbe und dass die Tofuhersteller diese dann praktischerweise für ihr Tofuwürste kaufen können und dass die Form von Schnitzeln, Burgern und Würsten eben auch praktisch sei. Alles gute Argumente, auch dass es Leute gibt, die aus gesundheitlichen Gründen kein Fleisch essen, vor ihren Bekannten aber nicht als Außenseiter dastehen wollen und ihre veggie-Wurst eben ohne großes Aufsehen mit auf den Grill schmeißen wollen (besonders für Männer scheint es ja manchmal ein richtiggehender Identitätsverlust zu sein auf Fleisch verzichten zu müssen).

Ich selbst musste erstmal überlegen: Warum esse ich solche Fleischersatzprodukte? Zum einen finde ich es irgendwie lustig, vegane Hähnchenschenkel, ist doch irre! Und ich glaube ich esse einfach gelegentlich ganz gerne was fettiges und deftiges. Manche der Sachen finde ich einfach lecker. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass es genauso wäre, wenn sie eine andere Form hätten. Und Tofuwürste esse ich beispielsweise gar nicht gerne, die schmecken mir einfach nicht so. Auf den Grill lege ich dann lieber ein Gemüsespieß.
Und was den Geschmack angeht ist das bei mir auch so eine Sache, ich kann nicht sagen, dass ich Fleischersatzprodukte esse weil mich der Geschmack an Fleisch erinnert, denn es ist mittlerweile fast 12 Jahre her, dass ich das letzte mal Fleisch gegessen habe (ich war vor meiner Umstellung auf vegane Ernährung lange Vegetarierin) und erinnere den geschmack kaum noch und auch als Kind habe ich nie gerne Fleisch gegessen. Eigentlich konnte meine Mutter mir das Fleisch hauptsächlich in Lasagne oder Spaghetti Bolognese "unterjubeln", Steak habe ich eher runtergwürgt.

Ich finde es jedenfals okay, dass es so viele vegane Produkte gibt die den Fleischgeschmack und auch die Form imitieren. Denn was ist denn dabei, wenn man den Geschmack von Fleisch mag, aber aus ethischen, ökologischen und/oder sozialen Gründen darauf verzichten will. Dann soll man doch sein veganes Schnitzel essen, ist doch toll, dass es die Möglichkeit gibt! Und wer lieber Gemüse essen möchte kann dies ja auch tun. Bei dem heutigen Angebot könnte eben theoretisch jeder vegan leben, ganz nach seiner Façon.

Kommentare:

Mneme hat gesagt…

Hihi, darüber wollte ich auch demnächst etwas schreiben :)

Ich glaube, dass auch vieles einfach Gewohnheit ist. Man hat das Essen von Tierprodukten ja nicht aufgegeben, weil man den Geschmack nicht mochte. Das heißt, dass man eventuell den Geschmack von Grillhähnchen vermisst, aber keins mehr essen möchte und das ist doch auch nix schlimmes.

Das Prinzip funktioniert ja auch auf umgekehrter Weise und auch bei Omnis.
Die Eltern meiner Mitbewohnerin sind Iraner, aber keine Muslime. Das heißt, dass sie Schweinefleisch als gleichwertig zu anderem Fleisch betrachten, aber sie haben einfach ihr Leben lang gelernt andere Sachen zu kochen. Und deswegen gibt es typisch-persisch/muslimische Gerichte.

Ich esse solche Produkte kaum, nur hin und wieder mal Tofu, Seitan will ich gerne mal probieren, aber Käse oder Wurst interessieren mich wenig, weil ich das vorher auch nicht gegessen habe. Manchmal frage ich mich, was man schon als Ersatzprodukt bezeichnet, fängt das schon bei Milch und Joghurt an?

xSharonx hat gesagt…

Sehr schön geschrieben! Ich erlaube mir mal das als Link auf Facebook zu posten! :)

Erinnerte mich beim Lesen auch an mich selbst. Als Kind mussten meine Eltern mich auch fast schon dazu zwingen Fleisch zu essen, obwohl ich es teilweise nur mit Mühe und Not runterwürgen konnte. War also auch nicht so verwunderlich dass ich es schon ziemlich bald (so etwa mit 12) komplett abgelehnt habe.

Als Ersatzprodukte würde ich Tofuwurst & Co. also für mich eher nicht bezeichnen. Da spielt der praktische Faktor schon ne größere Rolle und ja, tatsächlich komme ich mir auch ein bisschen weniger ausgeschlossen vor, wenn mein Tofu die Form von Nuggets oder einem Schnitzel hat, wenn ich mit anderen Omnis am Tisch sitze ;) Und lecker sind manche Sachen natürlich allemal :)

Tisi hat gesagt…

Ich bin jetzt mal so frei zu behaupten, dass "Wurst" mit dem Ausgangstier nun ja auch nicht mehr so besonders viel zu tun hat.
Die Form ist einfach praktisch (zum in eine Semmel/ein Weggle/ein Brötchen klatschen) und Wurst gehört irgendwie zu unserer Kultur, wir "kochen halt so".
Auch ein Schnitzel hat mit nem Schwein nicht mehr viel gemein, aber es eignet sich wohl besser zum essen, als eine komplette Schweinekeule.
Das Ausgangsprodukt hat ja schon so gar nichts mehr mit dem Tier zu tun, dem es mal gehörtte (von Ausnahmefällen mal abgesehen). Ich wüsste nun ganz ehrlich spontan auch nicht, welche Form ich dem Produkt sonst geben sollte, um nicht den Eindruck zu erwecken ich würde etwas "nachahmen". Veggies müssen ja nun auch nicht das Rad neu erfinden.

Dumm finde ich den Hinweis "wenn Vegetarier doch kein Fleisch essen wollen, wieso essen sie dann etwas was so aussieht?", das wiederum zeugt aber auch nur von tiefergehendem Unverständnis gegenüber der veg. Lebensweise.

Im Übrigen esse ich auch Marzipanschweine, wollte ich mal angemerkt haben, oder Kekse in Nashornform ;) Ob ich mir aber ein Seitan-Spanferkel antun würde, wage ich zu bezweifeln...
Allerdings sehe ich auch keinen veggiebezogenen Grund das nicht zu tun, ich fänds wohl einfach irgendwie seltsam.

Birdie hat gesagt…

@Mneme: Also Seitan kann ich nur empfehlen, bei uns im Bioladen gibt es den von viana und der schmeckt, einfach so in Streifen angebraten schon super lecker. Käse fehlt mir manchmal schon, besonders Camenbert habe ich wirklich gerne gegessen. Irgendwie fehlt mir das manchmal, obwohl ich den Kuhgeschmack inzwischen echt ekelig finde.

@Sharon: klar kannst du das bei facebook verlinken! Danke :-)

@Tisi: Du hast recht, Schnitzel und co sind ja wirklich keine Tierformen. Und die Frage ist wirklich: welche Form sollten Tofuprodukte denn dann haben? Herzchen oder Kugeln? Letztere ließen sich echt schlecht anbraten. ;-)

ANGEL for ANIMALS hat gesagt…

Also ich glaube schon dass die "typische" Würstchen oder Fleischform mehr Käufer anspricht, als wenn die Masse einfach nur zum Würfel oder so geformt wird. Ich glaube auch dass das Gehirn dadurch irgendwie ausgetrickst wird und sich den Fleischgeschmack viel eher ins Gedächtnis rufen kann, als wenn man eine andere Form isst. Die Tofu-Produkte sollen ja auch eine Art Fleischersatz darstellen... Also ich mag das auch sehr gerne wenn das dem "echten Fleisch" geschmacklich ähnlich ist...

TurboTofu hat gesagt…

Ich denke, vielleicht ist es für "Neulinge" auch einfach ein Anhaltspunkt bei ihren ersten einkäufen (und somit Verkaufsfördernd). Auch wenn Dinge nicht 1:1 schmecken, weiß man bei "Nuggets", "Schnitzel" & Co meistens doch auf den ersten Blick ganz gut, woran man grundsätzlich ist.
"Texsturiertes Weizengluten, scharf gewürzt und geräuchtert" als Produktname hätte es vielleicht schwerer als "Whety-Salami".

schnurtz hat gesagt…

vor ungefähr einem jahr hatte ich auch mal eine diskussion über diese produkte mit einer freundin die schon seeeehr lange vegetarisch lebt. ich habe zudem zeitpunkt gerade mit dem veganen kochen angefangen und fand es spannend was es denn alles so für fleisch*ersatz*zu kaufen gibt. ich kannte nur vegetarische chickennuggets die ich immer mit ihr zusammen gegessen hatte. jedenfalls meinte sie dann plötzlich zu mir das sei doch alles quatsch und wenn man schon vegan lebe dann solle man doch auch auf soetwas verzichten denn wenn man so sehr darauf aus ist fleisch zu immitieren dann könne man es doch direkt weiter essen. ich war total verwundert über ihre ansicht und habe dann auch gesagt das ich es albern finde und das es mir gar nicht so sehr darum geht einen ersatz für fleisch zuhaben sondern das ich es eben schön finde neben gemüse und kartoffel noch eine beilage auf dem teller zu haben egal in welcher form und das diese form eines schnitzels oder würstchen zb. ja nun nicht der fleischindustrie vorbehalten ist. sie trinkt zb. auch sojamilch da regt sich doch auch niemand drüber auf das es ein milchersatzprodukt ist.

mari.dalor hat gesagt…

mich ekelt die imitation -ob nun geschmack oder form- an. entweder ganz oder gar nicht.
wenn mir jemand bei dem noch so leckersten essen sagt, es schmecke wie hühnchen etc., dann kommt es mir hoch.
meine position.
wenn es den einstieg zum veganer-/vegetariertum erleichert, bitte sehr. aber auf dauer sollte es doch nicht mehr notwendig sein. da scheinen dann noch ganz schöne gelüste hinterzustecken.

Birdie hat gesagt…

@schnurtz: Da hast du recht, das ist ja wirklich Unsinn, denn es würde ja bedeuten, dass man ausschließlich aus Geschmacklichen Gründen vegan oder vegetarisch lebt. Aber ich denke die Gründe für so eine Ernährungsumstellung sind so vielfältig, dass es eher bei manchen leuten der Fall ist, dass ihnen allein der Geschmack fehlt.
Aber es gibt natürlich auch die Leute, die sich Vegetarier nennen, obwohl sie bloß kein Rind und Schwein essen, weil es ihnen nicht schmeckt. Aus deren Sicht macht Fleischersatz natürlich keinen Sinn. Allerdings finde ich es noch sinnloser, wenn solche Leute sich Vegetarier nennen...

Birdie hat gesagt…

@mari: Lustig, bei mir ist es genau umgekehrt: als ich erst seit ein paar Jahren Vegetarierin war, war es mir immer suuuper suspekt wenn irgendwas nach Fleisch geschmeckt hat (Veggiegeschnetzeltes in der Mensa oder so) und ich konnte das dann echt nicht essen.
Nach mittlerweile fast 12 Fleischlosen Jahren ist das nicht mehr so. Ich denke auch nie: "oh, das schmeckt wie Fleisch", weil ich es einfach nicht mehr sagen kann, ich erinnere einfach nicht mehr so wirklich wie Fleisch schmeckt, bzw. ich habe bei diesem geschmack gar nicht die Assoziazion zum Fleisch, sondern nur zu anderen Veganen produkten.

Als ich heute morgen beispielsweise das Zwiebelmett gemacht habe, fand ich es einfach nur so, einfach für sich lecker. Ich musste dann meinen Mann fragen, ob es eigentlich tatsächlich wie Mett schmeckt. ;-) (der ist erst seit einigen Monaten Vegetarier).

Isa hat gesagt…

Ich sehe es genau so wie Tisi: Warum sollten wir das Rad neu erfinden müssen?
Leider muss ich die Diskussion über Ersatzprodukte oft mit meinen Eltern halten. Sojamilch und veganer Käse sind für sie ein No-Go, schon allein wegen dem Namen. Das sei überhaupt nicht rechtens, denn Milch/Käse seien Wörter für tierische Produkte und als Veganer könne man darauf ja wohl nicht bestehen. Tatsächlich darf Sojamilch ja sogar nach dem Gesetz nicht als "Milch" verkauft werden. Gut, das kann ich noch irgendwo nachvollziehen, so wie die Bezeichnung "Feta" als Qualitätsmerkmal. Nur frage ich mich, wenn ich all dem einen neuen Namen, eine neue Form, einen anderen Geschmack gebe, ändert sich dann die Meinung der Kritiker? Ist es okay, wenn ich "Sojaprotein in Pickelhaubenform mit Lagerfeuergeschmack" esse? Wahrscheinlich. Aber das ändert ja nichts am Produkt an sich.
Ich persönlich esse selten Fleischersatzprodukte. Aber manchmal habe ich Lust auf einen Hot Dog. Oder Linsensuppe mit Würstchen. Oder Bolognese ohne Linsen. Oder auch ein Steak. Das sind alles Speisen, die ich in meiner omnivoren Kindheit geliebt habe. Wer hat das Recht, mir die vegane Alternative zu verbieten? Und dann auch noch mit solchen lächerlichen Argumenten wie "Wurst ist aber ein Fleischprodukt". Nein, in meinen Augen bezeichnet "Wurst" eine bestimmte Form und bestimmte Farb- und Geschmacksspektren. Haben wir den Geschmackssinn "fleischig"? Wäre mir neu. Selbes zu Käse und Milch.
Alles in allem sind Würste, Steaks, milchartige Flüssigkeiten usw. doch nur praktische, abwechslungsreiche Varianten. Und industriell gefertigter veganer Käse ist irgendwie schon ungesunder Luxus.

Green-Cat hat gesagt…

Gerade die Fast-Food-Sachen, die man so aus der Hand essen kann, wie der Hot Dog, der Burger, Chicken Nuggets etc. haben nun mal diese handliche Form. Und wenn ich nen Hot Dog mit einer Seitan- oder Sojabratwurst machen kann, dann find ich das toll! (Mir gings da eh immer mehr um die Kombination aus Essiggurken, Röstzwiebeln und Senf/Ketchup als um das Würstchen...)Außerdem hat wohl jeder irgendwann mal ein Fast-Food Verlangen, auch die Veganer! :D
Ich würde zum Thema Fleischersatzprodukte gerne noch das "Mundgefühl" in die Runde werfen. Mir zumindest geht es oft so, dass ich die Textur von Fleischersatz inmitten meines Gemüses ganz gerne mag. Das gilt gerade für Seitan oder gefrorenen und wieder aufgetauten Tofu. Es beißt sich halt schön und man hat was zu kauen. Aber ist, wie alles andere auch, Geschmackssache. Ich persönlich brauche jetzt auch nicht unbedingt etwas wie "Mock-Duck", wo man die Entenhauttextur imitiert hat. Aber bei einem Gericht wie Chikn Pot Pie passt gewürfelter Tofu oder Seitan wirklich perfekt anstelle des Hühnchens rein. :-) Würde ich diesen Ersatz weglassen, würde mir im Gericht was fehlen.

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